Idstein 03.06.2017

 

Zum achten Mal im Idsteiner Land: „tArt-Orte“ mit umfangreichem Programm gestartet

 

Von Beke Heeren-Pradt

IDSTEIN - Es geht in die zweite Runde. Seit dem Himmelfahrtstag am 25. Mai läuft die diesjährige Ausgabe der „Kultur-Erlebnis-Reihe“ „tArt-Orte“ im Idsteiner Land und dem Goldenen Grund. Am bevorstehenden Pfingstwochenende geht es in die nächste Veranstaltungsrunde. Mit Ausstellungen, Konzerten und Theater präsentiert sich das mittlerweile eingeführte Festival nicht nur rund um Bad Camberg und bis Limburg und Diez, sondern auch im Idsteiner Land.

 

An drei Wochenenden sind die unterschiedlichsten Künstler mit ihren Werken und Aktionen anzutreffen. Das umfangreiche Programmheft, das jedes Jahr sowohl alle Orte als auch alle Kunstevents vorstellt, weist auch in der neuen Auflage einen besonders großen Schwerpunkt auf Malerei und Bildhauerei auf. In einem Gebiet zwischen Hadamar und Niedernhausen treffen Kunstliebhaber an den unterschiedlichsten Orten auf Kreative und ihre Kunst.

Bereits zum achten Mal dabei, und damit laut der die Organisatoren Kurt Bethge-Krafft und Klausjürgen Herrmann „ein „Urgestein“ der tArt-Orte“, ist die Holzbildhauerin Ilka Fanta aus Wallrabenstein, die vom 9. bis zum 11. Juni nicht nur ihre eigenen Skulpturen auf dem heimischen Künstlerhof ausstellt, sondern auch Raum für Ausstellungen von Fotografien, Lederarbeiten, Keramik und Fotografien, für Konzerte der Musikschulband Hünstetten/ Taunusstein und der Irish Folk-Band „Greengrass“ sowie für einen Theaterabend mit dem Impro-Theater „Subito“ bietet.

 

Schon an diesem Wochenende ist die Ausstellung „Clowns zwischen Licht und Schatten“ mit Fotografien der Idsteinerin Eva Hungershausen im Gerberhaus geöffnet. Die junge Künstlerin, die sich „Frau Eva“ nennt, ist zum zweiten Mal bei den „tArt-Orten“ dabei und freut sich auf zahlreiches Publikum in dem historischen Haus am Löherplatz.

 

Petra Nitsche stellt in Heftrich eigene Objekte sowie Bilder der verstorbenen Idsteiner Malerin Elisabeth Betche-Haustein aus. Die Künstlerin Christine Hinz aus Bermbach lädt ebenfalls zum achten Mal zur Keramik-Ausstellung in ihren Garten ein. Der Kunstpädagoge der IGS Wallrabenstein, Norbert Vetter, lädt zu einer Ausstellung mit eigenen Kreationen und Werken seiner Söhne nach Gnadenthal ein und der Archehof von Herbert Schart in Oberauroff informiert über die Arbeit mit alten Tierrassen und den Umgang mit Bienen.

 

„Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der diesjährigen tArt-Orte“, freuen sich Kurt Bethge-Krafft aus Idstein und Klausjürgen Herrmann aus Bad Camberg über ein gelungenes Auftaktwochenende Ende Mai und loben die Unterstützung der beiden Landkreise und deren Landräte sowie der Bürgermeister der Orte, an denen in den drei Veranstaltungswochen Kunst zur Hauptsache wird.

 

„Die „tArt-Orte“ haben sich etabliert und sind zu einem Netzwerk für Künstler aus der Region geworden“, erklärt Klausjürgen Herrmann, der sichtlich stolz darauf ist, dass sich das Projekt zu einer Institution entwickelt hat. Bis zur zehnten Auflage wollen es die beiden auf jeden Fall schaffen, weiterzumachen, versichern die Akteure, die – jeder an seinem Heimatort – ebenfalls stark in der Kulturszene engagiert sind. Dann brauche es auf jeden Fall jüngere Mitstreiter für die sehr umfangreiche logistische Arbeit rund um das Festival – aber da fielen ihnen schon einige ein.

 

 

2016

 Dieser Funke brennt

Von Petra Hackert
Bad Camberg. Eine unerwartete Schauspiel-Aufführung mit vielen Instrumenten und Gesang, dargeboten von Moritz Stoepel, Gedichte von Hermann Hesse, Konrad Bayer, Hans Thoma an den Türrahmen, die Menschenbilder von „Frau Eva“ und Jürgen Mitters gewaltige Impressionen aus Nepal – die Vernissage gestern in der Amthof-Galerie hatte es in sich.

Das Leben besteht aus Zufällen: Immer wieder sah er die junge Frau im Publikum sitzen. Das fiel ihm auf. Moritz Stoepel sprach seinen Gast an und wurde ihrer – bei der Vernissage gestern in der Bad Camberger Amthof-Galerie. Mehr noch: Der Frankfurter Schauspieler verlieh den Fotografien der jungen Künstlerin einen Hintergrund, den es schon vorher gab, den er aber auf solch intensive Weise in den Blick des Publikums rückte, dass ihr am Schluss die Worte fehlten. Und dabei hatte sie doch vorher in Texten und Bildern so viel gesagt.

 

„Frau Eva“

 

Das war so: Eva Hungershausen hat immer gerne und viel gelesen. Franz Kafka, Hilde Domin, Konrad Bayer – um nur einige zu nennen. Sie machte sich Gedanken über das Leben, suchte nach den Spannungen, fand Eindrücke, die sie in Fotografien festhielt. Zum Beispiel der Mann im Wald mit den Langen Haaren, den vielen Piercings, dem Schlangemuster-Armband, der sich mit entblößtem Oberkörper auf einem Stock lehnt. Das muss ganz weit weg sein – ein Urwald, Regenwald? „Nein, eigentlich nicht“, lacht die Eppsteinerin. Im Taunus ist das Bild entstanden. Und ebenso ist es bei den anderen, die asiatisch, exotisch, irgendwie sehr fern erscheinen. Dieser Eindruck ist gewollt. Alles ist gestellt, komponiert, auf einen Punkt gebracht, und dabei stehen die Menschen im Vordergrund. Ganz stark, wie auch beim „Harlekin“ zu sehen, der fast abgeschminkt, vom Leben gezeichnet, gar nicht mehr lustig wirkt. Melancholie. Genau das will die 30-jährige Therapeutin erreichen.

Das Nachdenken über das Leben erhält den intensivsten Ausdruck in der Kombination der Künste. Zum Clown gibt es ein Gedicht von Robert Walser. Der Schauspieler trägt „Pierrot“ vor, und er wäre nicht Moritz Stoepel, wenn dies nicht mit allen Möglichkeiten geschähe, die dieser Text gibt.

 

Moritz Stoepel

 

Er verbindet die Inhalte, gelangt zur Musik von Georges Moustaki, vertont selbst ein italienisches „Popolare“, ein überall bekanntes Gedicht, bindet dann den Autor, der „Frau Eva“ am stärksten fesselt ein: Hermann Hesse. Hier beginnt die Suche nach dem Wolf im Menschen – oder dem Menschen im Wolf, je nach Blickwinkel. Das Spiel mit Erwartungshaltungen und frappierenden Erkenntnissen gewinnt in mehreren Sprachen an Intensität, und wenn Moritz Stoepel von der Dichterin Mascha Kaléko zu „Marie la Mer“ kommt, scheint der Süden Frankreichs vor Augen zu stehen.

Schnitt: Die Stunde hat viel zusammengeführt. Wer anschließend die Bilder der Fotografin noch einmal betrachtet, sieht jetzt noch mehr und kann mit ihr darüber sprechen.

 

In eine Unterhaltung vertieft ist auch Jürgen Mitter auf der anderen Etage der Amthof-Galerie. Der Bad Camberger wird im April zum neunten Mal nach Nepal reisen. Die Erfahrungen seiner Aufenthalte hat er geschildert, immer mehr Menschen interessieren sich für seine Vorträge, und er hat eines erkannt: Nach dem katastrophalen Erdbeben darf der Kontakt nicht abreißen.

 

Jürgen Mitter

Er ist fasziniert. Das zeigt sich ganz stark in seinen Fotografien, die Landschaften von scheinbar überirdischer Schönheit wiedergeben – nicht nur im Schnee. Auch hier sind es die Menschen, die neugierig machen. Die alte Frau, die nicht in die Kamera schaut und versonnen vor sich hinträumt. Der Mann mit dem nachdenklichen Blick – dabei entsteht Nähe. Jürgen Mitter arbeitet beim Bad Camberger Stadtbauamt. Und schon wieder ist es ein Zufall, der diese beiden Ausstellungen in den Fachwerkräumen zusammenführt. Der Vorsitzende des Vereins für Kunst und Kunstförderung, Klausjürgen Herrmann, sah dort eines dieser Bilder an der Wand und fragte Mitter spontan: „Kennen Sie die Amthof-Galerie?“ Natürlich, keine Frage, das ist nur wenige Meter entfernt. Trotzdem wäre er nicht auf den Gedanken gekommen, selbst einmal auszustellen. Jetzt ist der Funke übergesprungen. Seine Arbeiten sind präsent. Und: Es lohnt sich, dies alles zu erleben und anzuschauen.

 

Die beiden Ausstellungen sind bis Ende des Monats in der Bad Camberger Amthof-Galerie präsent. Die Öffnungszeiten sind immer an sonn- und feiertags von 11 bis 13 sowie von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Quelle: http://www.nnp.de/lokales/limburg_und_umgebung/Dieser-Funke-brennt;art680,1804750

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015


Mal düster, mal fröhlich

Die Eppsteiner Fotografin Eva Hungershausen präsentiert ihre erste eigene Ausstellung.


Eigentlich sind eher düstere Szenen ihr Ding: Skelett-Wesen, eine rothaarige Frau, die in einem riesigen Spinnennetz gefangen ist, oder melancholisch- blickende Clowns. All das sind Beispiele für ihren künstlerischen Ansatz. Aber „Frau Eva“ setzt auch ganz andere Dinge fotografisch in Szene. Diese präsentiert die Eppsteinerin jetzt in ihrer ersten Ausstellung in der „Wunderbar Weiten Welt“. Zu sehen sind beschwingte, bunte und fröhliche Szenerien: Eine Frau, die eine große Seifenblase aufpustet oder eine junge Dame auf einem roten Sofa, das mitten auf der Wiese steht.

„Traumwelten“ heißt die Ausstellung von „Frau Eva“, deren bürgerlicher Name Eva Hungershausen ist, Ihre Arbeitsweise: „Ich habe ganz oft eine Idee und gucke dann, ob ich das auch rausbekomme.“ Die Welten, die sie so erschafft, schöpft sie aus sich selbst, wie sie sagt. Woher genau die Bilder aus stammen, wisse sie nicht. An die Umsetzung ihrer Ideen geht die Physiotherapeutin dann ganz pragmatisch ran: Sie sucht sich Orte, Models und wenn nötig Kostüme und Requisiten. Ein gutes Stück der Inspiration dürfte sie wohl aus der „Gothic-Kultur“ haben. Die Subkultur zog in den 80er und 90er Jahren besonders Jugendliche an. Die bevorzugt schwarz angezogenen jungen Leute entzogen sich der allzu bunten, betont schönen, künstlichen Popwelt und schufen ihr eigenes Universum. Schönheit, Leben, Gesellschaft und Glück unterzogen sie einer Neudefinition, und es bildeten sich bis heute viele verschiedene Stil- und Denkrichtungen.

Ihr Faible für Melancholie ist „Frau Evas“ Bildern anzusehen, wenn sie farbenfroh sind. Sie wecken im Betrachter Stimmungen und Gefühle – vielleicht gerade, weil sie oft surreal wirken. Diese Atmosphären unterstreicht die junge Fotografin damit, dass sie manche Bilder entfärbt und ein wenig grauer wirken lässt. Spannend sind zudem die Models, die sie für die Bilder gewinnen konnte: Manche sind stark geschminkt, andere kostümiert und wieder andere scheinen gänzlich unverändert, natürlich schön. Einige haben faszinierende Tattoos oder sind interessante Charakterköpfe, die eine tolle Wirkung entfalten. Doch wo findet „Frau Eva“ all die Menschen, die in ihren Bildern meist die Hauptrolle spielen? „Im Internet“, antwortet die 29-Jährige. Auf einem Portal, in dem Hobby-Fotografen und Models zu einander finden. Das Gute: Beide Seiten machen kostenlos mit.

Traumhaft surreale Fotowelten

Fotokünstlerin Eva Hungershausen.

Viel Anklang fand die Vernissage unter dem Titel „Frau Evas Traumwelten“ der Eppsteiner Fotokünstlerin Eva Hungershausen. Es ist ihre erste Fotoausstellung überhaupt.

Die 29-Jährige strahlte Ruhe und Freude aus inmitten der vielen Gäste in der Wunderbar Weiten Welt im Eppsteiner Bahnhof und erklärte ganz schlicht: „Ich fotografiere ohne technischen Schnickschnack nur mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, die schon gefühlte 100 Jahre alt ist.“ Sie holt Menschen vor die Linse, von denen einige im Publikum saßen: Der Eismann beispielsweise oder die Waldfrau.

Die Werke versprechen ästhetischen Genuss. Die Arrangements lassen ahnen, welchen Aufwand die Künstlerin und ihre Modells bei den Shootings betreiben. Ambiente, Maske, Posen und Kostüme korrespondieren mit der Persönlichkeit des Modells. Die Künstlerin bringt mit den Inszenierungen ihre inneren Bilder mit meist surrealen Motiven zum Ausdruck.

Bei der Präsentation in der Wunderbar zeigt sie vorwiegend ihre farbigen, zum Träumen anregenden Welten: Menschen in der Natur beispielsweise, darunter auch auf Bäumen drapierte Akte, die mit ihrer Umgebung verschmolzen zu sein scheinen. Manche Bilder sind im Wald direkt hinter dem Herrngarten entstanden oder auf blühenden Obstwiesen rings herum.

Bei der Nachbearbeitung im digitalen Bildbearbeitungsprogramm Photoshop erhalten die parallelen Traumwelten ihren Schliff. Die puppige Pantomimin bietet ein Beispiel: Die Grübchen sind weggestempelt, die Haut makellos, der Mund spitz geformt und gerade auslaufend, die Haare modelliert. „Der kreative Prozess zwischen Fotograf und Modell und die daraus entstehenden Bilder machen mich glücklich“, erzählt sie.

Eva Hungershausen modelte früher selbst einmal und steht jetzt lieber hinter der Kamera. „Ich erhebe nicht den Anspruch, Künstlerin zu sein. Ich versuche nur, diese Welt in andere Schranken zu weisen, als sie mir die Rationalität bietet.“ Vorausgegangen ist die Erfahrung ihrer mittlerweile überwundenen Erkrankung an Morbus Hodgkin, einem seltenen Lymphdrüsenkrebs. „Da mir die Fotografie damals sehr geholfen hat, mich mit der Krankheit und mir selbst abzufinden, habe ich nun begonnen, Betroffene zu fotografieren“. Damit will sie deren Auseinandersetzung mit der Krankheit begleiten und die Entwicklung eines positiven Selbstbildes ermöglichen.

Die gebürtige Limburgerin betreibt die Fotografie nebenberuflich. Sie ist als Ergotherapeutin in der neurologischen Klinik in Falkenstein beschäftigt. Ein ehemaliger Patient und Kollegin Andrea traten als Duo mit einem musikalischen „Act“ auf ihrer Vernissage auf.